Mittwoch, 29. Juli 2015

Me Made Mittwoch: Sommer-Raglan aus Baumwolle




Der heutige MMM ist ja der letzte vor der Sommerpause und hat eigentlich das Thema "Das packe ich in meinen Koffer". Dieser frisch von den Stricknadeln gehüpfte Pulli entspricht zwar nicht so dem, was man bei diesem Thema erwarten würde (Flatterkleider, Bikinis & Co.), aber für mich ist es ein typischer Sommerpulli. Mein Mann hat nämlich schlechtes Reisewetterkarma. Wo immer wir im Sommer hinfahren, garantiert regnet es dort mindestens zwei Drittel der Zeit.


Die obere Hälfte ist das Modell "Simple Summer Tweed Top Down V-Neck" von Heidi Kirrmaier. Die Anleitung gibt es kostenlos bei Ravelry.


Die Ab- und Zunahmen für die Taille habe ich nach eigenen Berechnungen gemacht. Außerdem sieht die Anleitung an allen Kanten Rollbündchen vor, die mag ich aber nicht.



Stattdessen habe ich an den Ärmeln und am Saum 10 cm lange Bündchen in 4 rechts/4 links gestrickt.


Die Raglanschräge wird nicht nach Standardprinzip gestrickt wie bei den meisten anderen Anleitungen, sondern es wird mal öfter und mal seltener zugenommen, sodass die Form leichte Ähnlichkeit mit einer normalen Armkugel hat.


Den Ausschnitt habe ich vorn einfach pur gelassen. Hinten hat er sich leider nach außen gerollt, da habe ich ihn einfach nach innen umgeklappt und von Hand festgenäht.


Das Material ist ein namenloses Baumwollgarn aus dem Nachlass meiner Mutter. Es hatte die Form eines fast fertig gestrickten 80er-Jahre-Pullis: Kastenform mit quadratischer Flächenaufteilung, jede Fläche ein anderes Muster (Rippen, Zöpfe, Perlmuster etc.). Leider habe ich vor dem Ribbeln kein Foto gemacht.


Einziges Problem: Das Garn flust meine Umhängetasche voll. Hoffentlich ist das kein Pilling-Vorbote. Ich habe meine Maschenprobe natürlich gewaschen, aber wer weiß, wie sich das Garn auf die Dauer verhält? Wir werden sehen.


Was die anderen Me Made Mädels so im Sommer brauchen, sehen wir auf dem MMM-Blog. Dort zeigt Wiebke heute einen wunderbaren Overall, der bestimmt in London und Südfrankreich allover eine gute Figur macht.

Und hier gibt es morgen meine ultimativen Tipps, wie ich im Urlaub mit Kindern eine Menge Gepäck spare.



Dienstag, 28. Juli 2015

Upcycling: Wozu alte Stecknadeln noch gut sind



Wenn meine Stecknadeln oll sind, landen sie immer in dieser alten Blechbüchse. Eigentlich, damit sie nicht lose in der Mülltüte landen. Aber neulich hatte ich eine Idee, wie mir die stumpfen, angerosteten oder verklebten Nadeln noch nützlich sein können.


Dazu kam eine typische Versandverpackung.


Die Nadeln habe ich in die Seitenkanten gepiekt.


Baumwollgarn an der ersten Nadel festknoten, anschließend immer hin und her spannen, zum Schluss an der letzten Nadel festknoten.


Fertig ist der Webrahmen.


Das Garn für die Schussfäden habe ich auf ein Schiffchen aus Pappe gewickelt, aber das war zu dick und gleichzeitig zu instabil.


Also habe ich das Garn wieder (wie bereits bei diesem Webprojekt) mit der dicken, vorn gebogenen Nähnadel verwoben.


Ich arbeite noch daran, die typische Taillenbildung zu vermeiden.


An den Anfang hatte ich einen schmalen Kartonstreifen als Abstandshalter eingefädelt.


Nach dem Weben zieht man entweder die Nadeln heraus oder man schneidet die Kettfäden durch. Ich habe die Kettfäden auf der einen Seite wie einen französischen Zopf geflochten und aus dem Ende einen Aufhänger gemacht.


Auf der anderen Seite habe ich Fransen geknotet.


Das Webstück habe ich einmal gefaltet und von Hand zusammengenäht.


Fertig ist der Waschlappen. Die Fransen kann man außen lassen...


...oder nach innen stecken.

Dieses Projekt macht mit bei:
und beim Upcyclingdienstag, wenn ich daran denke, mich dort nach der Sommerpause zu verlinken.


Donnerstag, 23. Juli 2015

Gelesen: "Schneckenmühle" von Jochen Schmidt




Coverbild vom Verlag zur Verfügung gestellt

Autor: Jochen Schmidt
Titel: Schneckenmühle - langsame Runde
Verlag: C. H. Beck
220 Seiten
gebundene Ausgabe
ISBN 978-3-406-64698-0
17,95 €

Klappentext:
Jens ist vierzehn geworden und darf zum letzten Mal ins sächsische Ferienlager Schneckenmühle fahren. Dort kann man Skat spielen, Fußball und Tischtennis, und dann sind da natürlich noch die Mädchen und die Frage, wie man es mit dem Tanzen hält. Es ist der Sommer 1989 in der DDR – und nicht nur den Jugendlichen stehen große Veränderungen bevor. Jochen Schmidts neuer Roman, mit großer Wärme und Komik erzählt, berichtet von Zeiten des Umbruchs, hinreißend und anrührend.

Meine Meinung:
Über die Wendezeit gibt es ja inzwischen so viele Bücher und Filme. Aber dieser Roman hat mich besonders berührt, weil er aus der Sicht eines 14-jährigen im Ferienlager geschrieben ist. Ich war damals nur wenig jünger. Naja, ich war ein Westberliner Mädchen und Jens aus dem Buch ist ein Ostberliner Junge, aber trotzdem kann ich so mit ihm fühlen. Wie er sich Gedanken macht über die Kirche, Gott, die Liebe, Sprache, den Sozialismus, Westprodukte. Da werden Bruchstücke aneinander gereiht, teilweise Weisheiten von anderen Jungen, teilweise Sätze aus Büchern oder aus der Werbung, und so setzt er sich sein Bild vom Leben zusammen. (Diese Bruchstücke und Gedankenfetzen lesen sich übrigens ganz wunderbar im Gegensatz zu dem Buch, von dem ich gestern geschrieben habe.)
Jens macht sich heimlich Notizen, welche Radiosender er nach den Ferien unbedingt hören will, weil andere im Lager davon erzählen. Er lernt die Witze und Sprüche der coolen Jungen auswendig, um zuhause seine Schulfreunde damit zu beeindrucken.
Was im Hintergrund politisch los ist, bekommen die Kinder im sächsischen Ferienlager nicht mit, aber als Leser erkennt man natürlich die Hinweise.
Das Ende ist mir persönlich zu abrupt und dramatisch, aber ich verstehe schon, dass das bei einem Buch über den Sommer 1989 so sein muss.

Tipp:
Beim C.H.Beck-Verlag gibt es eine umfangreiche Leseprobe.
Dort gibt es auch einen Videoclip vom Autor, der eine andere, lange Textstelle vorliest. Ich finde seinen Lesestil alerdings etwas dröge und nicht gerade repräsentativ.
Die Leseprobe von btb, bei dem die Taschenbuchausgabe erschienen ist, ist sogar noch etwas länger, dafür nicht ganz so komfortabel zu lesen.



Mittwoch, 22. Juli 2015

Gelesen: "Vorliebe" von Ulrike Draesner




Coverbild vom Verlag zur Verfügung gestellt


Titel: "Vorliebe"
Autorin: Ulrike Draesner
Verlag: btb
Taschenbuch
256 Seiten
ISBN: 978-3-442-74306-3
€ 9,99 [D] € 10,30 [A] CHF 13,90

Klappentext:
Ein Wiedersehen, das einschlägt wie ein Blitz: plötzlich steht die Astrophysikerin Harriet ihrer großen Liebe von einst gegenüber. Und allmählich, aber unaufhaltsam, gerät ihr bisheriges Leben aus seiner geordneten Umlaufbahn. Ulrike Draesners neuer Roman ist ein mit großer Lust und Rasanz betriebenes Forschen nach den romantischen Gefühlen in Zeiten der Abgeklärtheit.

Meine Meinung:
Die Geschichte hat mir ganz gut gefallen, auch wenn ich mit zunehmendem Alter immer weniger verstehe, warum Menschen fremdgehen. Können die sich mal vor der Ehe überlegen, was sie wollen?  Und dann gemeinsam eine Lösung suchen, wenn die Ehe langweilig wird?
Die Sprache fand ich einfach nur anstrengend. Auf mich wirkt sie krampfhaft literarisch, als wolle die Autorin unbedingt für ihre Konstruktionen bewundert werden. Das wirkt alles andere als natürlich.

Tipp:
Es gibt eine umfangreiche Leseprobe. Wer an dem Buch interessiert ist, sollte auf jeden Fall probelesen.


Freitag, 17. Juli 2015

Über die Maßlosigkeit


Ich beobachte seit ein paar Jahren einen Trend, der mir Sorgen macht: Kinder werden immer früher mit Gewalt konfrontiert und Medien werden maßlos konsumiert. Ich nenne mal ein paar Beispiele:
In der Kita haben schon mehrere Kinder Kleidung und Taschen mit Star Wars Motiven drauf. Es gibt Lego Duplo mit Batman. Müssen so kleine Kinder wirklich schon so aufregende und zum Teil furchterregende Figuren kennen? Das große Kind erzählt mir, dass die anderen in der Klasse schon Die drei Fragezeichen hören bzw. die Filme gesehen haben. Harry Potter kennen natürlich auch alle schon. In der zweiten Klasse kennen fast alle die Star Wars Filme. Nur mal zur Erinnerung: Da schlägt ein Mann einem Jungen mit dem Laserschwert die Hand ab und sagt danach: "Ich bin Dein Vater."
Viele Dreijährige in unserer Umgebung haben schon den Film "Die Eiskönigin" gesehen. Den Film finde ich zwar sehr schön (vor allem wegen der feministischen Grundhaltung), aber ehrlich gesagt ist er meiner Meinung nach erst für Grundschüler geeignet. Schließlich ist die Geschichte von einem Mädchen, dass Eisblitze schießt, damit fast ihre Schwester umbringt und daraufhin von ihr isoliert wird, kein Spaß sondern sehr traurig. Da hilft auch ein lustiger Schneemann nicht als Kompensation. Und es wird auch nicht besser, wenn solche Filme fünfmal pro Woche gesehen werden. Oder ganze Serien stundenlang am Stück.

Warum lassen Eltern ihre Kinder so früh diese Filme sehen? Sind sie selbst so abgestumpft? Sollen die Kinder abstumpfen? Meine Kinder haben jedenfalls noch Mitgefühl und das soll auch so bleiben. Neulich habe ich im Wohnzimmer eine Fliege erschlagen, die kaum noch fliegen konnte. Das große Kind hat sofort geweint: "Die arme Fliege! Die wollte bestimmt noch gern leben!" Erst war ich irritiert, dann belustigt, aber ehrlich gesagt ist es doch auch ganz richtig! Ich bringe meinen Kindern bei, dass man niemandem weh tun darf und dass sie sich gegenseitig trösten sollen, wenn jemand weint.

Ich frage mich auch, was die Kinder, die so früh schon Star Wars sehen, sich mit 12 Jahren anschauen sollen? Terminator? Rambo? Final Destination? Und was sehen sie dann mit 18???

Was soll das für eine Gesellschaft werden, in der alle so abgestumpft sind und kein Mitgefühl haben? Was passiert dann mit Alten, Kranken und Behinderten?



So geht's doch auch: Die Kinder lesen mit ihrem Besuch zusammen ein Buch. Zwar sind die Schlümpfe auch oft brutal, aber bei Büchern kann man zwischendurch wenigstens mal sagen: "Das ist aber gemein! Statt ihn zu hauen könnte er doch..."


Natürlich wollen wir unsere Kinder aber auch nicht zu Außenseitern machen. Wir führen sie langsam an gewisse Themen heran und sie dürfen auch ab und zu einen Film sehen. Aber wenn wir merken, dass sie emotional überfordert sind, schalten wir einen Gang runter. Und wir sehen uns die Sachen vorher selber an, bevor wir sie den Kindern zeigen. 
Übrigens haben meine Kinder sehr selten Albträume. Wer noch keine Zombies und Vampire kennt, kann auch nicht von ihnen träumen...


Donnerstag, 16. Juli 2015

Kleiner Aufwand, große Wirkung: positiv formulieren!



Neulich im Rückbildungskurs*: Ich liege auf dem Rücken, die Beine schräg in der Luft und trainiere das, was früher mal Bauchmuskeln waren. Die Trainerin ruft: "Ja, das ist anstrengend. Ihr denkt ihr könnt nicht mehr. Die Beine sind so schwer und ziehen nach unten..."
Ich konnte richtig fühlen, wie mich das letzte Stück Kraft und Motivation verlässt. Erst bin ich frustriert. Dann wütend. Was soll das? Als Hebamme sollte sie wissen, wie man Frauen motiviert.
Zum Glück kam ich auf die Idee, mich in Gedanken selbst anzufeuern: "Ich schaffe das! Ich habe die Kraft! Ich halte durch!" Et voilà, schon ging es viel besser!

Auf dem Spielplatz: Ein Kind auf dem Klettergrüst will vorwärts die Leiter herunter klettern. Der Vater steht daneben und motzt: "Nicht vorwärts! NIIIICHT VOOORWÄÄÄÄRTS!" Das Kind versucht es weiter vorwärts und kommt gar nicht auf die Idee, die Leiter rückwärts hinunter zu klettern.

Als ich klein war, hatte ich einen Lieblingsteller. Er war von Sarah Kay oder Miss Petticoat, das weiß ich nicht mehr genau. Von diesem Teller wollte ich bei allen Mahlzeiten essen. Und wie jedes Kind wollte ich möglichst viel selber machen, also auch den Tisch decken. Meine Mutter hat gesagt: "Du fällst doch wieder hin und dann geht der Teller kaputt und dann weinst du." Und was ist passiert? Als braves Kind habe ich natürlich gemacht, was Mama sagt: Ich bin hingefallen, habe den Teller zerschmissen und geheult.

Ich will jetzt nicht behaupten, dass ich perfekt bin und immer alles positiv formuliere. Aber ich achte sehr viel darauf und kann sagen, dass es erstaunlich gut funktioniert. Meine Kinder haben z.B. noch nie Geschirr oder Gläser fallen lassen, wenn sie den Tisch gedeckt haben. Wir sagen immer: "Geh langsam, pass gut auf, halt den Teller gut fest." Und dann machen die Kinder das auch.

Das positive Formulieren hilft übrigens nicht nur in der Kindererziehung. Auch in der Partnerschaft ist es sinnvoll, egal ob im Bett oder im Haushalt...

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*Der Entwurf für diesen Text ist schon ein paar Jahre alt. Ich habe ihn beim Aufräumen gefunden und jetzt endlich mal fertig geschrieben. Das Thema ist ja zeitlos.


Sonntag, 12. Juli 2015

Erst kürzlich entdeckt: Die LottoKönige

Viele haben sie sicher schon längst gesehen. Wir sind erst vor kurzem durch Zufall bei Netflix darauf gestoßen: Die LottoKönige. Eine unterhaltsame deutsche TV-Serie mit liebenswerten Figuren und witzigen Dialogen. Die Schauspieler sind meiner Meinung nach so gut gecastet, dass man ihnen auch wirklich glaubt, z.B. Mutter und Sohn zu sein. Das ist ja nicht überall so. Die Serie gibt es wie gesagt kostenlos bei Netflix oder in der WDR-Mediathek.

Mittwoch, 8. Juli 2015

Me Made Mittwoch: Bienen und Blumen. Oder: 33°C, die Sonne brennt, das Outfit sitzt...

Guten Morgen!
Heute ist wieder Me Made Mittwoch und auf dem MMM-Blog treffen sich wieder alle SelbernäherInnen.


Ich zeig Euch heute mal wieder mein selbst genähtes Outfit vom Vortag. Tut mir leid, dass das Foto so dunkel ist. Mit dem gleißenden Sonnenschein kommt die Kamera leider auch nicht klar, weshalb die Outdoorfotos noch schlimmer aussahen. Klick macht das Foto größer, dann kann man mehr sehen.

Das Blumenwiesenshirt und der Bienenrock mussten gestern einiges aushalten:

8:00 Das große Kind an der Schule absetzen, dabei Mut machen für die ersten Bundesjugendspiele.
8:15 Das kleine Kind in der Kita abgeben.
8:30 Beim Bürgeramt vor die Tür stellen, um bei der Termintombola die erste zu sein. Zum Glück habe ich ein Buch und Sonnencreme mit. Nach mir trudeln immer mehr Leute ein, die auch alle auf einen baldigen Termin hoffen.
10:00 Die Tür vom Bürgeramt öffnet sich, ich stürme zum Infotresen und bekomme tatsächlich den einzigen noch freien Termin für heute. Reguläre Termine gibt es erst wieder im September und wir brauchen unbedingt noch Kinderreisepässe.
10:20 Stürme in die Kita, um das kleine Kind abzuholen. Erfahre, dass es bei der Andacht ist, muss mich also nebenan in der großen Kita zum Andachtsraum durchfragen, finde ihn im Keller. Muss das arme Kind aus einer wunderschönen Atmosphäre reißen und den Rest der Gruppe stören, das tut mir echt leid. (Werde später die Erzieherin anrufen und das erklären.)
10:40 Mit dem kleinen Kind zum Fotografen düsen, um biometrische Fotos machen zu lassen. Es kooperiert zum Glück. Wehre die freundlichen Angebote der Fotografin ab, nein Danke, wir brauchen nur vier Fotos. Eigentlich nur eins, aber es gibt die ja nur im Viererpack.
10:50 Anruf in der Schule, ob ich das große Kind am Sportplatz abholen kann und ob ich noch Sachen aus der Schule abholen muss. Beide Antworten: ja.
11:05 Ankunft im Schulsekretariat. Die Sekretärin marschiert mit dem kleinen Kind und mir zum Klassenzimmer des großen Kindes, wo sich die Kinder angeblich umziehen und ihre Kleidung liegen lassen sollten. Keine Kleidung da. Dann sind die Sachen vielleicht im Hort?
11:15 Nachforschung im Hort zeigt, ja, die Kinder haben sich hier umgezogen. Die anderen haben auch brav ihre Kleidung dort gelassen. Aber mein Kind hat die Sachen anscheinend mit zum Sportplatz genommen.
11:30 Ankunft am Sportplatz. Wo ist hier nur der Eingang? Eine Lehrerin der angrenzenden Schule sagt: "Der Eingang ist da vorn, aber ich weiß nicht, ob der offen ist. Gehen Sie doch durch die Schule, den Gang da lang bis zum Ende, über den Schulhof, da kommen Sie auch auf den Sportplatz." Das kleine Kind und ich folgen den Anweisungen, aber die Tür zum Schulhof ist verschlossen. Den Gang ein Stück zurück ist eine weitere Tür, die offen ist, aber das Tor zwischen Schulhof und Sportplatz ist verschlossen (*grmbl*). Die Schultür lässt sich von der Hofseite nicht wieder öffnen (???), also gehen wir um die Schule herum wieder zur Straße und zum regulären Eingang des Sportplatzes, der natürlich heute geöffnet ist.
11:40 Auf dem Sportplatz wuseln Schüler aus sechs Klassen herum, dazu jede Menge Lehrer und Eltern. Wo ist mein Kind? Weißes DFB-Shirt, schwarze Hose, blaue Schuhe. So sieht die Hälfte der Kinder hier aus. Erwäge, nächstes Jahr auf pink mit Glitzer zu setzen. Und eine Rundumleuchte auf dem Kopf.
11:50 Kind gefunden! Und es ist sogar schon fertig und ganz stolz. Zeiten und Weiten weiß es zwar nicht, aber Hauptsache, es hatte Spaß!
12:05 Ankunft beim Fotografen. Biometrische Fotos vom großen Kind (verschwitzt und in Sportklamotten), das auch brav kooperiert. Wehre erneut freundliche Angebote ab. Ich brauche jetzt kein Foto von beiden Kindern zusammen und auch kein größeres Format der Passbilder.
12:15 Noch schnell mit den Kindern zur Belohnung in die Bücherei. Jedes darf sich drei Comicbücher aussuchen. Das kleine wählt die Schlümpfe, das große nimmt Donald Duck.
12:30 Im Warteraum des Bürgeramts. Die Kinder lesen ihre Comics, ich starre auf die Anzeigetafel mit den Wartenummern.
12:45 Wir sind dran. Ich scheuche die Kinder vor mir her ins Zimmer der Sachbearbeiterin und ermahne sie, lieb und leise zu sein (also die Kinder). Ich lege die Fotos, meinen Ausweis und die Vollmacht meines Mannes auf den Tisch, also genau wie es mir am Infotresen gesagt worden war. Die Dame fragt: "Und wo ist die Ausweiskopie Ihres Mannes?" Ich bekomme für einen Moment keine Luft. Dann ist sie aber gnädig und sucht sich seine Unterschrift aus dem Computer raus. Puh!
12:50 "Wie groß ist Kind 1? Wie groß ist Kind 2?" Ich versuche, mich an die letzte Messung zu erinnern, schätze die Größe und versuche gleichzeitig, so auszusehen, als wüsste ich es ganz genau. Sie trägt die Werte in die Pässe ein. (Werde später zuhause feststellen, dass die Kinder bis zum Urlaub beide noch ein paar Zentimeter wachsen müssen.)
13:10 Wir haben zwei Kinderpässe! Hurra!
13:30 Eiscafé. Die Kinder und ich essen jeder eine Kugel Eis in einer Streuselwaffel. Das haben wir uns wirklich verdient.
14:00 Ich creme die Kinder ein bzw. nach, schleppe Plantschbecken, Wasserbahn, Rasensprenger, Bälle und sonstiges Spielzeug aus dem Gartenhaus auf die Wiese, verteile Wasser.
14:30 Ich mache ein Foto von meinem Outfit.
14:35 Mir fällt ein, dass beide Kinder gar kein Mittagessen hatten. Frage, ob sie Hunger haben. Nein, sie wollen plantschen. Na gut, gibt es halt nachher ein großes Abendessen mit allem.
14:40 Mir fällt auf, dass ich außer einem Kaffee früh am Morgen und dem Eis auch noch nichts gegessen habe. Mache mir ein Käsebrot.


Die Kinder spielen Outdoor-Hamam.

Der Rest des Tages war nicht mehr so spannend, aber das Outfit hat sogar noch gut ausgesehen, nachdem ich den Garten wieder aufgeräumt, beide Kinder gebadet und ihnen die Haare gewaschen habe.

Und was machen Eure Outfits so mit?


Montag, 6. Juli 2015

Gelesen: "Guten Morgen, Abendland" von Nazan Eckes




Coverbild vom Verlag zur Verfügung gestellt

Autorin: Nazan Eckes
Titel: "Guten Morgen, Abendland. Almanya und Türkei - eine Familiengeschichte"
Preis: 9,99 € inkl. MwSt.
Verlag: BASTEI LÜBBE
Umfang: 237 SEITEN
ISBN: 978-3-404-60677-1


Klappentext:

Die sechsjährige Nazan kann es nicht fassen, als sie ihre Mutter sagen hört „Kizim, meine Tochter, den Nikolaus gibt es nicht.“ Alle anderen Kinder in der Schule erzählen von prall gefüllten Stiefeln, nur sie kriegt nichts. Dafür lieben es ihre deutschen Freundinnen, bei der lebhaften türkischen Familie zu Gast zu sein. Die beliebte RTL-Moderatorin erzählt vom Fremdsein, von Vorurteilen, vom Ankommen und ein Zuhause finden. Und beweist mit ihrem Buch: Es ist kein Nachteil in zwei Kulturen aufzuwachsen. Es ist eindeutig ein Vorteil. 

Meine Meinung:
Dieses Buch wäre fast an meiner 10%-Hürde gescheitert, aber ich habe dann doch weitergelesen und bin sehr froh darüber. Nazan Eckes hat die Geschichte ihrer Familie, ihr Leben zwischen zwei Kulturen und ihre Gedanken zum Thema Integration aufgeschrieben. Das Buch ist literarisch und sprachlich zwar kein großer Wurf, aber die Berichte ihrer Eltern, wie sie damals in den 60er/70er Jahren nach Deutschland kamen, sind sehr berührend und wenn man sie gelesen hat, sieht man die Geschichte der Gastarbeiter in Deutschland mit ganz anderen Augen als vorher. Ich hatte zwar schon Bücher wie "Ganz unten" von Günter Wallraff, "Einmal Hans mit scharfer Soße" und "Ali zum Dessert" von Hatice Akyün gelesen und Filme wie z.B. "Almanya - Willkommen in Deutschland" gesehen, ich war sogar mal zwei Jahre lang mit einem Sohn griechischer Gastarbeiter zusammen und habe viel über seine Familie und deren Geschichte erfahren, aber den größten Eindruck hat diesbezüglich "Guten Morgen, Abendland" bei mir hinterlassen.
Die Geschichte der Gastarbeiter in Deutschlad ist ein Stück deutscher Geschichte und ich finde, man sollte sich nicht nur für die Weimarer Republik, die Nazizeit, den kalten Krieg und den Mauerfall interessieren, wenn man in Deutschland lebt, sondern auch dafür, wie es für Menschen aus anderen Ländern und Kulturen ist, hier zu leben.
Was ich weniger gut fand: Das Buch holpert dramaturgisch oft und Spannungsbögen verlaufen plötzlich im Sand. Einige Dinge finde ich unlogisch, z.B. wenn Mesut Özil im Interview einerseits betont, dass er bereits in dritter Generation in Deutschland lebt, aber andererseits erzählt, wie seine Eltern damals als Gastarbeiter nach Deutschland kamen, aber da bin ich leider sehr pingelig (preußische Wurzeln lassen sich auch nicht so leicht verleugnen) und andere können bestimmt gut darüber hinweg lesen.
An manchen Stellen fragte ich mich auch, warum Unterschiede zwischen damals und heute so oft mit Unterschieden zwischen den Kulturen verwechselt werden. Die Menschen in den 60er Jahren in Deutschland haben sich fast alle immer korrekt angezogen. Es war für Erwachsene einfach nicht üblich, in der Öffentlichkeit Jeans und T-Shirt zu tragen, ganz zu schweigen von Jogginghosen oder Leggings. Man trug als Mann einen Anzug mit Hemd, die Frauen Rock und Bluse oder ein Kleid. Und es wurde auch in deutschen Haushalten auch immer richtig gekocht, Fertiggerichte gab es meines Wissens noch gar nicht. Wenn Nazan Eckes aber meint, dass das ein bemerkenswerter Unterschied zwischen Türken und Deutschen war, frage ich mich, ob das dem Lektorat nicht auffällt?

Fazit: Ein mäßiger Anfang, ein sehr berührender Mittelteil und am Ende ein wunderbar mitreißendes Plädoyer für kulturelle Vielfalt, Völkerverständigung und Integration. Auf jeden Fall lesenswert!

Tipp 1:
Beim Verlag gibt es eine umfangreiche Leseprobe.

Tipp 2:
Tom Aslan hat Nazan Eckes unter anderem zu ihrem Buch interviewt.


Samstag, 4. Juli 2015

Hörbuch: "Remember Me?" von Sophie Kinsella





3 CDs
gekürzte Ausgabe
gelesen von Sally Phillips

Klappentext:
Lexi wakes up in a hospital bed after a car accident, thinking it's 2004 and she's a twenty-five-year old with crooked teeth and a disastrous love life.But, to her disbelief, she learns it's actually 2007 - she's twenty-eight, her teeth are straight, she's the boss of her department - and she's married! To a good-looking millionaire! How on earth did she land the dream life??!
She can't believe her luck - especially when she sees her stunning new home. She's sure she'll have a fantastic marriage once she gets to know her husband again. He's drawn up a 'manual of our marriage', which should help.
But as she learns more about her new self, chinks start to appear in the perfect life. All her old colleagues hate her. A rival is after her job. Then a dishevelled, sexy guy turns up... and lands a new bombshell. 
What the **** happened to her? Will she ever remember? And what will happen if she does?

Meine Meinung:
Das Buch habe ich schon vor einigen Jahren gelesen, aber jetzt habe ich endlich mal die Audiofassung gehört. Die Geschichte finde ich nach wie vor genial. Sally Phillips liest wunderbar mit vielen verschiedenen Stimmen, die sich nicht nur in Tonlage und -farbe unterscheiden, sondern auch teilweise verschiedene Dialekte (sagt man das eigentlich auch, wenn es um andere Sprachen als deutsch geht?) und vor allem sehr verschiedene Temperamente haben. Das finde ich sehr beeindruckend. Aber man sollte entweder das Buch schon kennen oder sehr gut englisch können, weil es dadurch natürlich mit dem Verstehen manchmal etwas schwierig ist.
Die gekürzte Fassung ist ganz okay, nur eine Stelle wird dadurch in den Details etwas unlogisch. Mir persönlich fehlte die Szene in der Gymnastikstunde und die Sache mit dem Mont Blanc. Aber ansonsten ist das ein prima Hörbuch mit viel mehr Tiefgang als man auf den ersten Blick so denken würde.

Tipp:
Bei Youtube gibt es einen Clip mit der Autorin, die das Buch vorstellt und ein Stück daraus vorliest.